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Policy & Evidenz

Horizon Europe — was die 17 % Erfolgsquote verschweigen

Bei EIC Accelerator kommen nur 6 % durch. 240 Tage Time-to-Grant im Durchschnitt, nur 77 % innerhalb der 245-Tage-Frist. Ein Jahr Ihres Lebens pro Antrag — bei offener Chance.

upsmart Redaktion13 min Lesezeit

In der öffentlichen Kommunikation des Horizon-Europe-Programms erscheint die Zahl regelmäßig: eine aggregierte Erfolgsquote von rund 17 Prozent über die ersten Jahre des Rahmenprogramms[2]. Gegenüber den rund 12 Prozent in Horizon 2020 wirkt das wie eine Verbesserung[5]. Für die Mehrzahl der konkret antragstellenden Unternehmen und Institute ist diese Zahl jedoch eine Fiktion. Hinter dem arithmetischen Mittel verbergen sich Einzelquoten, die von unter sechs Prozent im EIC Accelerator bis über dreißig Prozent in einzelnen Widening-Instrumenten reichen — und eine durchschnittliche Time-to-Grant von 240 Tagen zwischen Call-Schluss und Grant-Unterzeichnung, wobei nur 77 Prozent der Grants innerhalb der gesetzlichen Acht-Monats-Frist von 245 Tagen abgeschlossen werden[3]. Der vorliegende Beitrag zerlegt die aggregierte Quote entlang der Primärquellen der Europäischen Kommission und ordnet sie in das ein, was sie für einen einzelnen Antrag tatsächlich bedeutet.

240 Tage
Durchschnittliche Time-to-Grant in Horizon Europe — nur 77 % der Grants werden innerhalb der gesetzlichen Acht-Monats-Frist von 245 Tagen abgeschlossen.↳ Commission Staff Working Document — Interim Evaluation SWD(2025) 110 [he-interim-evaluation]

Die aggregierte Quote

Die Verordnung (EU) 2021/695 hat Horizon Europe als Rahmenprogramm für den Zeitraum 2021 bis 2027 ursprünglich mit einem Gesamtbudget von 95,5 Mrd. € aufgesetzt; nach der Revision des Mehrjährigen Finanzrahmens (MFF) im Februar 2024 wurde der Programmrahmen auf 93,5 Mrd. € reduziert. Horizon Europe ist organisiert in drei Pillars — Excellent Science, Global Challenges and European Industrial Competitiveness, Innovative Europe — ergänzt um den Querschnittsteil Widening Participation and Strengthening the European Research Area[1]. Die aggregierte Erfolgsquote, die in der EU-Berichterstattung routinemäßig zitiert wird, summiert alle eingegangenen förderfähigen Anträge über alle Pillars, alle Cluster, alle Missionen und alle Ausschreibungstypen hinweg und setzt sie ins Verhältnis zu den unterzeichneten Grants.

Für die Jahre 2021 und 2022 weist das Factsheet „Horizon Europe implementation — Key data for 2021-2022" der Generaldirektion Forschung und Innovation rund 45 000 eingereichte Anträge auf 236 Calls aus; die durchschnittliche Erfolgsquote lag in diesem Zeitraum bei rund 15,9 Prozent[2]. In späteren Berichtsständen, die den Jahrgang 2023 einschließen, verschiebt sich der Mittelwert leicht nach oben — unter anderem, weil die Widening-Instrumente und ERA-Calls sehr hohe Einzelquoten aufweisen, die den Durchschnitt anheben[5]. Die verbreitete Angabe von „17 Prozent" bezieht sich auf diese geglättete Jahresreihe.

Die Interim Evaluation der Kommission vom 30. April 2025 stellt zwei Befunde nebeneinander, die eine offenere Lesart erzwingen: Zum einen sind von 2021 bis 2024 insgesamt 15 148 Grants mit einem EU-Beitrag von 43,2 Mrd. € unterzeichnet worden[3][4]. Zum anderen liegen die Erfolgsquoten in einzelnen Ausschreibungen im Jahr 2024 bei etwa 5 Prozent, mit deutlicher Streuung nach unten in den nachfragestärksten Instrumenten[3]. Der Durchschnitt beschreibt also ein Programm, das gleichzeitig eine steigende Nachfrage und eine abnehmende Trefferquote je einzelner Ausschreibung produziert. Der Mittelwert verschleiert beide Bewegungen.

Operativ folgt daraus eine erste Lesart: Die 17 Prozent sind keine Wahrscheinlichkeit, mit der ein konkreter Antrag durchkommt. Sie sind der Quotient einer Population von sehr heterogenen Ausschreibungen — ERC-Grants, Collaborative Research in den Clustern, Missionen, EIC-Pathfinder, EIC-Accelerator, Widening — deren Teilquoten sich zwischen 4 und 35 Prozent bewegen. Wer einen Call auswählt, wählt damit zugleich eine Teilpopulation, deren Quote von diesem Mittel oft mehrfach abweicht.

EIC Accelerator: 6 Prozent

Der EIC Accelerator ist das prominenteste Instrument für forschungsnahe KMU und Start-ups innerhalb des Pillar 3 „Innovative Europe". Für den Oktober-Cut-off 2024, dessen Ergebnisse die European Innovation Council and SMEs Executive Agency (EISMEA) am 17. Februar 2025 veröffentlicht hat, wurden 1 211 Anträge eingereicht, 431 Unternehmen zum Jury-Interview eingeladen, 71 Unternehmen für Förderung ausgewählt[7]. Die Erfolgsquote liegt damit exakt bei 5,86 Prozent — in der EISMEA-Kommunikation als „6 Prozent" gerundet.

„The EIC Accelerator has selected 71 companies to receive funding from among 1 211 proposals submitted for the October 2024 cut-off date, the most competitive funding round so far since the launch of the Accelerator under Horizon Europe."
— EISMEA, Pressemitteilung vom 17. Februar 2025[7]

Für das Kalenderjahr 2024 zusammengenommen fällt die Quote noch niedriger aus, weil dem Oktober-Cut-off ein März-Cut-off mit 7 Prozent Erfolgsquote vorausging und die Summe aller Durchläufe deutlich unter dem Mittelwert des Instruments vergangener Jahre liegt. Das Gesamtfördervolumen des Oktober-Cut-offs beträgt bis zu 161 Mio. € an Grants und rund 226 Mio. € an Eigenkapitalbeteiligungen; 79 Prozent der ausgewählten Unternehmen nehmen die Blended-Finance-Variante in Anspruch[7].

Die Asymmetrie innerhalb des Instruments ist ebenso bemerkenswert wie die Gesamtquote. Im Step 2 — dem schriftlichen Vollantrag — erreicht etwa ein Drittel der Anträge die Jury-Stufe, im Step 3 werden von den verbleibenden 431 interviewten Unternehmen 71 ausgewählt. Die Stufenquoten von 35,6 Prozent (Step 1→Step 2) und 16,5 Prozent (Step 2→Step 3) multiplizieren sich zu den zitierten rund sechs Prozent Gesamtquote[7]. Ein Antrag muss also zweimal hintereinander die obere Hälfte des Bewerberfelds erreichen, um überhaupt eine reale Förderchance zu haben.

Für die operative Planung eines EIC-Accelerator-Antrags bedeutet das: Die aggregierte Horizon-Europe-Quote von 17 Prozent ist als Orientierungsgröße irreführend um einen Faktor von rund drei. Wer seine Business-Planung auf eine siebzehnprozentige Wahrscheinlichkeit stützt, überschätzt die Trefferchance systematisch. Die EISMEA hat die zunehmende Überzeichnung in den Eigenvergleichen innerhalb des Instruments ausdrücklich benannt[8].

Mission vs. Pillar — die Varianz zwischen Arbeitsprogrammen

Die Streuung der Erfolgsquoten zwischen den Programmbestandteilen ist der zweite Grund, warum der aggregierte Wert trügerisch ist. Die Interim Evaluation der Kommission dokumentiert Differenzen zwischen den Pillars, die sich über einen Faktor von rund drei bewegen: Der höchste Durchschnitt wird in Widening Participation and Strengthening the European Research Area gemessen, der niedrigste in Pillar 3 „Innovative Europe" mit seinen EIC-Kerninstrumenten[3][2].

Der European Research Council steht für die Exzellenz-Schiene in Pillar 1. Für den Starting-Grant-Call 2024 wurden 3 474 Anträge eingereicht, 494 Grants bewilligt; daraus ergibt sich eine Erfolgsquote von rund 14,2 Prozent[9]. Für den Consolidator-Grant-Call 2024 wurden 2 313 Anträge gestellt, 328 Bewilligungen erteilt — wiederum rund 14,2 Prozent[10]. Die ERC-Quoten liegen damit spürbar unter dem programmweiten Mittel, gelten aber als stabil: Die Einreichungszahlen und die Bewilligungszahlen bewegen sich seit mehreren Jahren in einem ähnlichen Korridor.

Die Missionen — Adaptation to Climate Change, Cancer, Restore our Ocean and Waters, Climate-Neutral and Smart Cities, A Soil Deal for Europe — stellen eine eigene Kategorie dar. Für die im Herbst 2023 von CINEA abgeschlossene Evaluation der Mission-Calls wurden 133 Anträge eingereicht, 34 Konsortien zu Grant-Agreements geführt; die rechnerische Gesamtquote liegt bei rund 25,6 Prozent[11]. Diese Zahl bündelt sehr unterschiedliche Teil-Calls mit jeweils kleineren Teilnehmerfeldern; in einzelnen Topics liegen die Quoten deutlich höher, in anderen deutlich niedriger als die programmweite Aggregation.

Die Cluster 4 (Digital, Industry and Space), 5 (Climate, Energy and Mobility) und 6 (Food, Bioeconomy, Natural Resources, Agriculture and Environment) liegen in ihren Standard-RIA-Calls typischerweise zwischen 10 und 15 Prozent. Die Interim Evaluation weist für die Cluster 1 bis 3 geringfügige Verbesserungen gegenüber Horizon 2020 aus — zwei Prozentpunkte in Cluster 1 (Health), sechs in Cluster 2 (Culture, Creativity and Inclusive Society), vier in Cluster 3 (Civil Security for Society)[5]. Die Unterschiede zwischen Clustern sind damit nicht so groß wie zwischen Pillars, aber immer noch größer als der Jahrescorridor eines einzelnen Clusters.

Im Ergebnis ist der Begriff „Erfolgsquote von Horizon Europe" ohne die Angabe eines konkreten Arbeitsprogramms und einer konkreten Ausschreibung nicht aussagekräftig. Eine realistische Planungsgröße entsteht erst, wenn man das Topic, die Ausschreibungsart (RIA/IA/CSA/EIC), den Berichtsstand und gegebenenfalls die spezifischen Stufenquoten kennt.

Time-to-Grant — 245 Tage Ziel, 240 Tage Durchschnitt

Ebenso relevant wie die Erfolgswahrscheinlichkeit ist der Zeithorizont. Die Time-to-Grant bezeichnet die Zeitspanne zwischen dem Call-Schluss (Einreichungsfrist) und dem Inkrafttreten der Grant Agreement. Für Horizon Europe weist die Interim Evaluation der Kommission eine durchschnittliche Time-to-Grant von 240 Tagen aus. Das gesetzliche Ziel nach Artikel 31 der Verordnung (EU) 2021/695 liegt bei acht Monaten (245 Tagen); lediglich 77 Prozent aller Grants werden innerhalb dieses Zielwerts abgeschlossen, knapp jeder vierte Grant erst danach[3].

Diese 240 Tage sind der Durchschnitt zwischen Einreichungsfrist und Unterzeichnung. Für den Antragsteller beginnt der Aufwand deutlich früher: Die Topic-Veröffentlichung im Work-Programme erfolgt typischerweise sechs bis neun Monate vor Call-Schluss, die Partnersuche und Konsortialkonstitution nimmt in kollaborativen Ausschreibungen weitere drei bis sechs Monate in Anspruch. Rechnet man die Vorlaufphasen hinzu, liegt die Zeitspanne zwischen Beginn der inhaltlichen Arbeit am Antrag und Eingang der ersten Förderrate regelmäßig bei 15 bis 18 Monaten. Ein Kalenderjahr ist damit keine Ausnahme, sondern die Normalverteilung — bei gleichzeitig offener Förderentscheidung.

Die Kommunikation der Kommission hat die verlängerte Time-to-Grant als operative Schwäche adressiert. In der Interim Evaluation wird der Befund mit der gestiegenen Nachfrage, komplexeren Work-Programme-Strukturen und Kapazitätsengpässen bei den Executive Agencies erklärt[3]. Die Mitteilung COM(2025) 189 final kündigt Prozessreformen für das Folgeprogramm FP10 an, lässt aber für die verbleibende Laufzeit von Horizon Europe keine Umkehrung der Trendlinie erwarten[4].

Für die betriebswirtschaftliche Bewertung eines Horizon-Europe-Antrags hat die Time-to-Grant eine zweite, weniger offensichtliche Dimension: Sie beeinflusst die tatsächliche Kapitalbindung. Ein Konsortium, das einen Antrag vorbereitet, trägt die Personalaufwände der Antragsphase ohne Refinanzierung bis zur Unterzeichnung der Grant Agreement. Bei abgelehntem Antrag sind diese Aufwände final verloren. Bei angenommenem Antrag refinanziert die Kommission sie rückwirkend im Rahmen der bewilligten Projekt-Personaltage, soweit diese nachweisbar mit der Antragsphase verknüpft sind — in der Praxis jedoch nur ein Teil davon. Die 240 Tage sind damit nicht nur Geduld, sondern auch Risiko-Exposure.

Was die Aggregation verschleiert

Die aggregierte Erfolgsquote hat eine kommunikative Funktion, keine planerische. Sie macht das Programm über Legislatur- und Budgetperioden hinweg vergleichbar, sie erlaubt Grobvergleiche mit Horizon 2020 oder nationalen Förderprogrammen, und sie füllt Pressemeldungen. Drei strukturelle Effekte werden dabei jedoch verschleiert, die für einen konkreten Antragsentscheid zentral sind.

Erstens: Oversubscription. Die Kommission weist in den Begleitdokumenten zur Interim Evaluation aus, dass rund sieben von zehn als „exzellent" bewerteten Anträgen aus Budgetgründen abgelehnt werden müssen; zur vollständigen Bedienung aller High-Quality Proposals der Periode 2021–2022 wäre ein zusätzlicher EU-Beitrag von rund 34 Mrd. € nötig gewesen[5][3]. Das bedeutet: Die Ablehnung ist in der Mehrzahl der Fälle keine Qualitäts-, sondern eine Rationierungsentscheidung. Ein abgelehnter Antrag ist nicht notwendig schlechter — er ist in einem überzeichneten Topic platziert.

Zweitens: Widening-Effekt. Die Widening-Instrumente ziehen die aggregierte Quote nach oben. Die Interim Evaluation nennt für Widening Member States Erfolgsquoten von im Durchschnitt rund 20 Prozent, für fünf einzelne Mitgliedstaaten sogar auf dem Niveau des EU-Durchschnitts; das ist deutlich mehr als in den Clustern oder im EIC[3]. Für antragsberechtigte Einrichtungen in Deutschland ist diese Teilpopulation in den meisten Instrumenten nicht zugänglich; sie verzerrt die programmweite Zahl zugunsten einer Gruppe, die für die typische deutsche Antragsituation nicht einschlägig ist.

Drittens: Stufenquoten. In zweistufigen oder dreistufigen Verfahren — EIC Accelerator, bestimmte ERC-Reviews, Teile der Missionen — wird die aggregierte Quote üblicherweise als Produkt der Stufen berechnet. Für die planerische Wahrscheinlichkeit ist aber die bedingte Quote relevant: Wer Step 1 bereits bestanden hat, steht vor einer anderen Verteilung als der Erstantragsteller. Umgekehrt verteilt die zweite Stufe Ablehnungen systematisch, nicht zufällig: Die Jury ist selektiver als die schriftliche Evaluation, die Ablehnungskriterien verschieben sich zwischen den Stufen. Das aggregierte Produkt bildet diese Heterogenität nicht ab[7].

Hinzu kommt ein berichtsmethodischer Effekt: Die Kommission zählt im Rahmen des Monitoring „eligible proposals" — also formell zulässige Einreichungen. Anträge, die wegen Förderausschlüssen, Formalfehlern oder Dubletten aussortiert werden, erscheinen in der Zählung nicht. Das ist sachgerecht, senkt aber die Signifikanz der Quote als Schätzer für die Trefferchance eines sorgfältig konstruierten Antrags nicht — denn auch der sorgfältig konstruierte Antrag tritt gegen eine Population von Anträgen an, die ihrerseits sorgfältig konstruiert sind[13].

Was Antragsteller daraus lernen

Aus der Zerlegung der aggregierten Quote folgen für die Vorbereitung eines Horizon-Europe-Antrags drei operative Konsequenzen, die sich nicht aus dem Mittelwert, sondern erst aus den zugrundeliegenden Teilquoten ergeben.

Topic-Auswahl als erste Selektionsentscheidung. Die Wahl des Topics determiniert die anwendbare Erfolgsquote weitgehend. Zwischen Widening-Calls, ERC, Cluster-RIA, EIC-Pathfinder und EIC-Accelerator liegen Quotenunterschiede von einem Faktor drei bis fünf[2][3]. Wer sich die Mühe macht, die Overlaps zwischen den eigenen technischen Inhalten und mehreren Topics systematisch zu prüfen, trifft mit der Topic-Auswahl die wahrscheinlichkeitswirksamste Einzelentscheidung des gesamten Verfahrens. Die Nationale Kontaktstelle Horizont Europa des BMFTR publiziert die Topic-Struktur sowie die aktualisierten Work-Programmes auf dem Portal horizont-europa.de[12]; die Topic-spezifischen Bewilligungsquoten sind dort, wo die Executive Agencies sie veröffentlichen, ebenfalls zugänglich.

Portfoliologik statt Einzelantrag. Bei Erfolgsquoten unter zehn Prozent — und in den EIC-Kerninstrumenten liegen sie dort — ist ein einzelner Antrag keine belastbare Projektfinanzierungsstrategie. Wer Horizon Europe als Finanzierungsweg nutzen will, arbeitet in einer Portfoliologik: parallele Anträge in unterschiedlichen Calls, inhaltlich abgestimmte Dossiers für unterschiedliche Topic-Überlappungen, strukturierte Wiedervorlage in spätere Cut-offs. Die durchschnittlich 240 Tage Time-to-Grant zwingen zu einer überlappenden Antragsplanung, weil sequenzielles Abarbeiten einzelner Anträge unternehmerisch kaum tragfähig ist[3].

Seal of Excellence als Zweitverwertung. Anträge, die die Qualitätsschwelle passieren, aber aus Budgetgründen nicht gefördert werden, erhalten unter bestimmten Bedingungen das Seal of Excellence. Dieses Gütesiegel ermöglicht eine Anschlussfinanzierung aus nationalen, regionalen oder anderen EU-Mitteln, ohne die Qualitätsprüfung zu wiederholen; Mitgliedstaaten und Strukturfondsverwaltungen können die Zeichen direkt als Förderbegründung nutzen[4]. Die Interim Evaluation hebt die Seal-of-Excellence-Nutzung als ausbaufähiges Instrument hervor; für Antragsteller verschiebt sich damit die Erfolgsgröße vom binären „Grant ja/nein" hin zu einer Mehrstufen- Verwertungslogik, in der auch eine knappe Ablehnung einen verwertbaren Output darstellt.

Operativ bedeutet das: Ein nüchterner Umgang mit Horizon Europe beginnt mit der Zerlegung der aggregierten Quote auf die konkret relevante Teilpopulation — Cluster, Topic, Cut-off, Stufenquote. Er berücksichtigt die durchschnittlich 240 Tage Time-to-Grant — bei lediglich 77 Prozent Zielerreichung — in der Liquiditätsplanung. Er baut parallele Anträge über mehrere Calls hinweg auf. Und er plant die Zweitverwertung über Seal of Excellence und nationale Anschlussförderung systematisch mit ein. Der aggregierte 17-Prozent-Wert bleibt eine programmweite Zusammenfassung. Für die planerische Bewertung eines konkreten Antrags ist er eine schlechte Schätzgröße — die belastbaren Zahlen liegen in den Teilquoten.

upsmart bildet den gesamten Horizon-Europe-Weg — von der Topic-Auswahl über Konsortialkonstitution, Antragsbearbeitung und Stufenmanagement bis zur Grant-Agreement-Unterzeichnung — als Plattform ab und macht die auf den konkreten Antrag anwendbare Teilquote, die Stufenhistorie und die Liquiditätswirkung über die Time-to-Grant hinweg nachvollziehbar. Der aggregierte Mittelwert wird damit das, was er sein kann: eine Kontextgröße, nicht eine Planungsgröße.

Primärquellen
  1. [1]
    Verordnung (EU) 2021/695 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 28. April 2021 über das Rahmenprogramm für Forschung und Innovation „Horizont Europa" (Horizon Europe Regulation)
    Europäisches Parlament und Rat, EUR-Lex · 2021
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  2. [2]
    Horizon Europe implementation — Key data for 2021-2022 (Factsheet, KI-03-23-236-EN-N)
    Europäische Kommission, Generaldirektion Forschung und Innovation · 2023
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  3. [3]
    Commission Staff Working Document — Interim Evaluation of the Horizon Europe Framework Programme for Research and Innovation (2021-2024), SWD(2025) 110 final
    Europäische Kommission, EUR-Lex · 2025
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  4. [4]
    Mitteilung der Kommission — Horizon Europe: Research and Innovation at the heart of competitiveness, COM(2025) 189 final
    Europäische Kommission · 2025
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  5. [5]
    Horizon Europe programme analysis — Monitoring, Evaluation and Impact Assessment (Portal der Generaldirektion Forschung und Innovation)
    Europäische Kommission · 2025
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  6. [6]
    Horizon Europe — Programme Performance Statement (EU-Haushalt, Performance and Reporting)
    Europäische Kommission · 2024
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  7. [7]
    EIC Accelerator — 71 companies selected in the most competitive funding round so far (Oktober-Cut-off 2024, Veröffentlichung 17. Februar 2025)
    European Innovation Council and SMEs Executive Agency (EISMEA) · 2025
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  8. [8]
    EIC Accelerator October cut-off — record number of proposals submitted since the EIC's launch under Horizon Europe
    European Innovation Council (eic.ec.europa.eu) · 2024
    Quelle öffnen
  9. [9]
    ERC 2024 Starting Grants — €780m to emerging science talent in Europe
    European Research Council (erc.europa.eu) · 2024
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  10. [10]
    ERC 2024 Consolidator Grants — €678m awarded to 328 researchers
    European Research Council (erc.europa.eu) · 2024
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  11. [11]
    34 projects selected for grants under Horizon Europe Mission calls (Climate Adaptation, Restore our Ocean and Waters)
    European Climate, Infrastructure and Environment Executive Agency (CINEA) · 2023
    Quelle öffnen
  12. [12]
    Nationale Kontaktstelle Horizont Europa — Portal Kooperation international des BMFTR
    Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) Projektträger, BMFTR · 2025
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  13. [13]
    Commission Staff Working Document — Evidence Framework for the monitoring and evaluation of Horizon Europe, SWD(2023) 132 final
    Europäische Kommission · 2023
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Von der Analyse in den Antrag.

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